Schlagwort: Solidarität

16. April 2021

Was hat sich nach einem Jahr Pandemie getan?

Politiker sind hilflos und beschäftigen sich überwiegend mit dem Erhalt ihres Hauptjobs und ihrer Nebenjobs und der Egoismus (und/oder die Gleichgültigkeit) vieler Leute hat zugenommen.

Ich habe mal nachgesehen, was ich vor einem Jahr in meinem Corona-Tagebuch geschrieben habe:

15. 3.2020 – Die Corona-Pandemie wird zeigen, ob wir eine solidarische Gesellschaft sind oder nur eine Ansammlung egoistischer Arschlöcher.

13. 4.2020 – Was kann ich daran ändern, wenn die Politik sich dem Druck des Kapitalismus beugt und das öffentliche und wirtschaftliche Leben viel zu schnell wieder zulässt und damit mehr schwere Verläufe der Covid-19 Erkrankungen fördert und unser Gesundheitssystem zusammenbrechen lässt? Ich kann nichts dafür und ich kann es auch nicht ändern. Ich kann auch nicht verhindern, selber krank zu werden (und evtl. zu sterben) oder andere anzustecken (und evtl. zu töten). Ich kann nur Abstand halten und nach Möglichkeit zu Hause bleiben. Mehr geht nicht.

1.5.2020 – Ich habe den Eindruck, dass der Egoismus der Leute sich lieber von Emotionen statt von gesicherten Fakten leiten lässt. Da tritt zwangsweise das solidarische Miteinander in den Hintergrund und die unterschiedlichsten Gruppen in der Gesellschaft werden gegeneinander ausgespielt. Diese menschlichen Eigenschaften, die aufkommende Profilierungssucht mancher Politiker und der Herdentrieb der Menschen beunruhigen mich zurzeit mehr, als das Coronavirus.

Das Einzigste, was sich seitdem verändert hat: Es gibt mehrere Impfstoffe und die Impf-Kampagne läuft. Bis allerdings 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung geimpft sind – damit die Impfungen Wirkung zeigen – wird es wohl noch einige Monate dauern und es sieht so aus, dass die Impfung dann jedes Jahr aufgefrischt werden muss.

Die 3. Welle, in der wir uns befinden, ist durch die Mutationen zu einer neuen – noch größeren – Pandemie geworden.

Die gesellschaftlichen Versäumnisse der Vergangenheit werden durch die Pandemie immer sichtbarer. Es ist Zeit, dass auch jeder Einzelne den Ernst der Lage wahrnimmt und seinen/ihren Teil zur Überwindung der Pandemie beiträgt.

26. November 2020

So, nun ist es amtlich. Der Teil-Lockdown – der zunächst bis Ende November galt – wird verlängert. Bis Weihnachten bleiben weite Teile des öffentlichen Lebens geschlossen und private Zusammenkünfte werden weiter verschärft. Das sind überwiegend Maßnahmen, die nur schwer bis gar nicht kontrolliert werden können. In Geschäften dürfen sich weniger Personen aufhalten und die Pflicht zum Tragen eines Mund-/Nasenschutzes wird ausgeweitet. Die Weihnachtsferien werden verlängert und bis dahin wird ein sogenannter Hybrid-Unterricht mit kleineren Kassen möglich sein. Für die Feiertage vom 23. Dezember bis 1. Januar sind Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen vorgesehen, es soll sich aber nur der engste Familien- oder Freundeskreis treffen.

Im Endeffekt geht es – meines Erachtens – in erster Linie ums Geld. Deshalb hat dieser verlängerte Teil-Lockdown auch nur relativ milde Verbote (gegenüber dem restlichen Europa um uns herum). In Deutschland setzt die Politik zunächst auf die Eigenverantwortung, Geduld, Solidarität und Disziplin eines jeden Einzelnen.

Da bleibt für mich nichts anderes übrig, als noch mehr das Verhalten meiner Mitmenschen im Blick zu haben und auf soziale Kontakte zu verzichten. Also bleibe ich weiterhin überwiegend zu Hause, gehe nur zu verkehrsarmen Zeiten mit genügend Abstand zu anderen Menschen einkaufen oder spazieren und habe ansonsten – bis auf erforderliche Arztbesuche – keinerlei persönliche Kontakte zu anderen Menschen. Bis auf Weihnachten und Silvester, da bin ich (nach 3 Monaten) wieder mit der Liebsten zusammen.

Mitte Januar nächsten Jahre werden wir dann an den Corona-Zahlen sehen, wie es mit der Eigenverantwortung, Solidarität und Disziplin der Menschen über die Feiertage ausgesehen hat. Ich befürchte, dass dann die Zahlen in die Höhe geschnellt sind und der erste richtige Lockdown ausgerufen wird.

1. Mai 2020

Mich erzürnt es immer wieder, wenn in den „sozialen“ Medien (und leider auch in den „seriösen“ Medien) irgendwelche alte, längst überholte Meldungen völlig aus dem Zusammenhang gerissen neu verbreitet werden. Da ist es oft schwer den Hintergrund und die restlichen Fakten solcher in den reißerischen Überschriften behaupteten „Wahrheiten“ zu finden.

Ich habe den Eindruck, dass der Egoismus der Leute sich lieber von Emotionen statt von gesicherten Fakten leiten lässt. Da tritt zwangsweise das solidarische Miteinander in den Hintergrund und die unterschiedlichsten Gruppen in der Gesellschaft werden gegeneinander ausgespielt.

Diese menschlichen Eigenschaften, die aufkommende Profilierungssucht mancher Politiker und der Herdentrieb der Menschen beunruhigen mich zurzeit mehr, als das Coronavirus.