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Corona Diary

Prolog

Ich hab’ dann mal so ein Corona Tagebuch gebastelt, um – falls ich’s überlebe – Recherchematerial für meine Biografie zu haben.

Und falls ich’s nicht überlebe, sind meine letzten Tage wenigstens für die Nachwelt schriftlich festgehalten.

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7. Juli 2020

Vor über drei Monaten habe ich den Keller aufgeräumt und Sachen, die zum Recyclinghof gebracht werden müssen, zusammengestellt. Damals ging die ganze Shayce mit dem Coronavirus los und alle Menschen im Heimatkaff haben wie wild ihre Garagen und Kellerräume ausgemistet. Deshalb war zu der Zeit der Recyclinghof total überlaufen und es mussten stundenlange Wartezeiten in kauf genommen werden.

Heute habe ich endlich den Kram im Recyclinghof entsorgt.

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2. Juli 2020

Seit diesem Monat hat unsere Obrigkeit ja bekanntlich wegen der Corona-Krise die Mehrwertsteuer gesenkt und das wird jetzt vom Handel kräftig beworben.

Ein Beispiel aus der Lebensmittelbranche – das mir aufgefallen ist – zeigt, dass die Mischkalkulation der Händler funktioniert. Vor der Mehrwertsteuersenkung kostete das Glas Konfitüre, das ich bevorzuge, als Normalpreis 1,59 Euro. Und nach der Mehrwertsteuersenkung kostet dieses Glas Konfitüre als Normalpreis 1,65 Euro, also fast 4 % mehr.

Dinge, die man gewöhnlich seltener braucht, sind dagegen im Cent-Bereich mit großem Werbe-Tamtam im Preis gesenkt worden. Unterm Strich hat der Händler dabei wohl ein Plus gemacht, um den großen Gewinner dieser, auf ein halbes Jahr befristeten Aktion, bezahlen zu können.

Anmerkung: Ich kaufe diese Konfitüre immer zum Angebotspreis zwischen 0,99 Euro und 1,19 Euro.

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24. Juni 2020

Die Landesbehörden haben ihre eigenen Beschlüsse nicht oder nur sehr zögerlich befolgt und erst auf Druck der Öffentlichkeit einen Lockdown rund um die Fleischfabrik Tönnies angeordnet. Jetzt gelten in zwei Landkreisen in NRW wieder Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Alle warnen von der zweiten Corona-Welle. Erste Länder warnen vor Reisen in Teile von NRW und Reiseländer weisen Gäste aus den zwei NRW Lockdown Kreisen ab. Das Wort „Beherbergungsverbot“ macht die Runde. Die Gesellschaft spaltet sich noch mehr, als sie es ohnehin schon ist.

Weihnachten zur dritten Corona-Welle, wenn sich das Virus wegen der niedrigen Temperaturen besonders wohlfühlt, sind die Einsichtigen dann brav alleine zu Hause und die Verantwortungslosen rebellieren in Massen auf den Straßen. Vielleicht merken die Menschen dann, dass uns das Virus nicht Monate, sondern Jahre beschäftigen wird und dass das gesellschaftliche Leben sich dadurch grundsätzlich verändern wird.

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15. Juni 2020

Jetzt – nach 3 Monaten Corona-Regeln – ist fast alles (mit Auflagen) wieder geöffnet, außer Diskotheken und Bordelle. Da fragt sich (IMHO zu Recht) Herr Lauterbach von der SPD: „Wer schützt jetzt die vielen Vernünftigen vor den wenigen Verantwortungslosen?“

Weiterhin gilt im öffentlichen Raum generell ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Kann der Mindestabstand nicht eingehalten werden, wird das Tragen von Alltagsmasken empfohlen. Im ÖPNV und Geschäften sind Masken Pflicht. In den eigenen vier Wänden gibt es keine Einschränkungen. Da muss jeder in Eigenverantwortung handeln. Ob es allerdings im Sinne des Infektionsschutzes sinnvoll ist zu Hause Partys oder Familienfeste zu feiern, mag dahingestellt sein.

Ich werde mich jedenfalls auch weiterhin an ein paar kleine Regeln halten:

  • Kontakte vermeiden und Abstand halten
  • in öffentlichen Innenräumen Mund-Nasen-Schutz tragen
  • regelmäßiges Händewaschen
  • Nies- und Husten-Netiquette beachten

Morgen soll dann auch die Corona-Warn-App veröffentlicht werden, eine Contact-Tracing-App, die dezentral erfasst, welche Smartphones einander nahegekommen sind und so Kontakte im Nachhinein nachverfolgen kann.

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11. Juni 2020

Heute vor genau 3 Jahren war für mich ein ganz denkwürdiger Tag. Da bin ich mit einem RTW gefahren. Seitdem habe ich keine Zigarette mehr geraucht und keinen Tropfen Alkohol zu mir genommen, dafür aber tausende Medikamente geschluckt. Jetzt bin ich froh, dass ich noch lebe und trotz der Corona bedingten Einschränkungen mein bescheidenes Leben genießen kann.

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2. Juni 2020

Heute habe ich mir zum ersten Mal im Leben die Haare selbst geschnitten – entstanden ist eine mit einer Bartschneidemaschine gezauberte „moderne“ 3 mm Kurzhaarfrisur. Es bedarf schon einiger Verrenkungen vor dem Badezimmerspiegel, um den Nacken auszurasieren und die Ohrhaare zu entfernen. Dafür ging der – in den letzten 3 Monaten gewachsenen Bart – bedeutend besser ab. Jetzt sieht er wieder wie ein ordentlicher 3-Tage-Bart aus.

In den vergangenen Pfingsttagen habe ich bei sonnigem Wetter eine Fototour mit meinem Tricycle-Pedelec durch’s Heimatkaff unternommen und beim anschließenden Kaffeetrinken im Stamm-Biergarten einen alten Kumpel getroffen. Es war erfrischend, sich mal wieder persönlich mit anderen als sich selbst zu unterhalten. Es mussten zwar (zur evtl. Rückverfolgung) Name und Adresse / Telefonnummer hinterlassen und der obligatorische Abstand von 1,50 Meter zu „Fremden“ eingehalten werden, aber es ist wenigstens ein bisschen „Normalität“ wahrnehmbar.

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